Ein Dach über dem Kopf (Dr. Walter Reicher)


Notes on the genealogy of composer Joseph Haydn (Dr.Fritz Königshofer)


Kostbare Blätter (Dr. Walter Reicher)


Haydn ein Europäer? (Dr. Walter Reicher)


Ein Dach über dem Kopf (Dr. Walter Reicher)


Joseph Haydn und seine Eisenstädter Wohnungen

Man schrieb das Jahr 1761. Der 29 jährige Joseph Haydn verlegte seinen Wohnort nach Eisenstadt. Er trat dort seinen Dienst als Vice-Capel-Meister" beim Fürsten Paul Anton Esterházy an. Davor hatte er sich schon einen gewissen Namen als Komponist und Kapellmeister beim Grafen Morzin erworben. Sein Contract mit dem Fürsten Esterházy vom 1.Mai 1761 lautete vorerst auf drei Jahre. Es wurde eine Lebensstellung daraus -insgesamt 48 Jahre.

"13mo Ist diese Convention mit ihme Vice-Capel-Meister von 1ten May 1761 an, wenigstens auf drey Jahr lang beschlossen worden, solchergestalten, das wann er Joseph Heyden nach vollgestreckter frist, dreyen Jahren, sein glück weiters machen wollte, sein diesfällige Intention ein halbes Jahr vor auß, das ist anfangs des dritten halben Jahrs, der herrschafft Kund zu machen schuldig seye. Ingleichen

14mo Verspricht die herrschafft ihne Joseph Heyden, nicht nur so lang in Diensten zubehalten, sondern wann, er eine vollckommene Satisfaction Leisten wird, solle er auch die expectanz die Ober-Capel-Meisters-stelle haben, widrigenfalls aber ist Hochderselben allezeit frey, ihne auch unter dieserzeit des dienstes zu entlassen..."(Bartha 43f)

Der Fürst hatte kurz zuvor ein Musikergebäude in der ehemaligen Apotheke neben dem Schloss einrichten lassen. Dieses war aber nur für Junggesellen gedacht. Wahrscheinlich hat der verheiratete Haydn dort nie gewohnt. Jedenfalls hatte Haydn spätestens ab Herbst 1761 eine Wohnung im Zentrum von Eisenstadt (heute: Ecke Hauptstrasse/Fanny Elsslergasse) gemietet, die er mit seiner Frau und Bediensteten bewohnte.

EINE HOFSTATT FÜR DEN OBER-CAPEL-MEISTER

Fünf Jahre später war es dann soweit. Gregor Joseph Werner starb am 3.März 1766 und Joseph Haydn wurde "Ober-Capel-Meister" beim Fürsten Nikolaus I. Esterházy, der im Jahre 1762 seinem Bruder als Oberhaupt der Familie nachgefolgt war. Durch diese gefestigte Stellung ermutigt, beSchloss Haydn in Eisenstadt Hausbesitzer zu werden, obwohl Fürst Nikolaus in diesem Jahre seine Residenz nach "Estoras", dem heutigen Schloss Eszterháza in Fertöd verlegte.

Am 2.Mai 1766 kaufte Joseph Haydn von der "verwitweten bürgerlichen Adlerwirtin Euphrosina Schleicherin, Witwe des Jakob Schleicher, Bürger des äußeren Rats", das Haus in der Eisenstädter Klostergasse Nr.82 (heute Haydngasse Nr.21). Die Klostergasse, in unmittelbarer Nähe zum Schloss, erhielt ihren Namen von den beiden Klöstern in ihr, dem Franziskaner- und dem Augustinerinnenkloster. Im letzteren ist jetzt das Museum Österreichischer Kultur untergebracht.

Obwohl Haydn aus dem Herrschaftsbereich des Fürsten Esterházy - Oberberg-Eisenstadt - in die Freistadt-Eisenstadt zog, scheint er nie deren Bürgereid abgelegt zu haben. Er blieb der "allhier unter der Stadt possessionierte Capellmeister", der neben einem Haus auch noch eine Reihe von "Hausgründen" besaß:

Das Haus selbst wird folgendermaßen beschrieben:

"in der Höhe
2 schöne große stockendorte (stuckatierte) Zimmer auf die Gassen
1 große Kuchl
1 Zimmer, so nicht gewölbt mit 1 Verschlag in Hof
1 Vor Sall, so klein

zu ebener Erd
Ein Zimmer auf die Gasse so nicht gewölbt
Ein Zimmer in Hof nebst Kuchl
Eine gewölbte große Kammer hinterwärths
Ein Vorkellerl nebst einem größeren daran
Eine Stallung auf 4 St.
Eine gewölbte gebüderte (mit Bretterfußboden) Einfahrt zum Thenn

Hausgründe
3 M (ca.300 Klafter) Viechtrifft Sätzl (teilweise Weingärten)
1 Joch in Haid Jochen
1 Joch Steinmühl Acker
1/2 Joch in Halb Jochen
4 Lütz Waldungen
Ein Kuchlgärtl hinter den Spittal."(Schmid 6)

SCHULDEN

Haydn hatte somit einen ansehnlichen Besitz in der Freistadt Eisenstadt, den er während der nächsten zwölf Jahre behalten sollte. Und diesen Besitz zu erwerben, dürfte ihm gar nicht so leicht gefallen sein. Euphrosina Schleicher hatte weiterhin ein Wohnrecht im Haus, wahrscheinlich das "Zimmer in Hof nebst Kuchl". Wie hoch die genaue Kaufsumme war wissen wir leider nicht. Aus einer Bittschrift Haydns an den Fürsten wegen eines Geldvorschusses, der ihm auch gewährt wurde, geht aber hervor, daß er sich für seinen Hauskauf 400 Gulden lieh:

"... Da ich zu erkaufung meines Hauses 400 f. Baares Geld vor etlichen Jahren entlehnen muste, und dieses Capital mir jezo aufgekündet worden! ..."(Harrich 20)

Auf jeden Fall hatte Haydn darüber hinaus auch noch in Raten bezahlt. Denn nach Frau Schleichers Tod im Jänner 1767, musste Haydn den noch "restirten Hauss=Kauffschilling" von 700 Gulden plus Zinsen an den Testamentsvollstrecker zahlen. Dafür mussten Haydn und seine Frau bei seinem Schwiegervater Johann Peter Keller am 15.April 1767 eine "Obligation" von 500 Gulden aufnehmen. Im folgenden soll das bisher noch nie publizierte Dokumente transkribiert wiedergegeben werden:

"Wür endest unterschriebene und gefertigte Conleuth benantlich Ich Joseph Haydn Capell Meister bey seiner Durchlaucht Fürsten von Estorhazy, und ich Anna Maria Haydin gebohren Kellerin dessen Ehe Consortin beckenen hiemit krafft gegenwärtiger Obligation für uns, unsere Erben und Nachkomn, Eines für Beede, und Beede für Eines, in Solidum, daß uns der wohl Edle Herr Johann Peter Keller, unser dermahlige wertester Herr schwieger Vatter, an heuet zu End gesetzten Dato eine Summam geldes pr. fünf hundert Gulden, sage 500 f jeden derselben zu 15 bazen aber 60 Kr. gerechnet richtig dargeliehen, wessent wegen wir auf denselben uns richtigen empfanges halber hiemit geziemender massen Quittiren, geloben gemnach zu Sagen, und Versprechen Vermög dieses Schuld Brief bey unseren wahren worthen, trauen, und Glauben dem wohl gedachten Herrn Darleicher, oder ander dieses schuld Briefes getreuen Inhaber nicht allein dieses Capital deren fünfhundert Gulden von Halb zu Halb Jahr mit fünf pro Cento zu Ver Interessieren sondern auch das Capital selbst von heuet dato über ein Jahr in gangbahrer Müntz in einer Suma danckbarlich in baaren Geld zurück zu bezahlen.

Damit aber der widerholte Herr Darleicher dessen Erben oder Cessionarij dieses treuherzig dargeliehene Capitales deren 500 f halber best möglichst gesichert seyn mögn, so verschreiben, und verpfänden wür denselben all unser Haab und gut liegend, und fahrend gegenwärtig, und zu künftiges nichts hieuon aufgenohmen, allermassen wür denselben hiemit in besten form rechtens Renunciren alles getreulich ohne geförde zu wahrer urckund dessen unser hieruntergestellte Handschriften und ... fertigung: so geschehen Eisenstadt den 15ten Aprill 1767.

L.S. Josephus Haydn m:p:
L.S. Maria Anna Haydin"

Zusammen ergibt das also eine Summe von 1.100 Gulden. Der gesamte "Kauffschilling" dürfte somit bei ungefähr 1.500 Gulden gelegen sein.

Zu Haydns Hausgründen gehörte auch "Ein Kuchlgärtl hinter den Spittal" mit einem Holzhäuschen darauf. Damals noch außerhalb der Stadtmauer gelegen, ist es heute noch erhalten. Nach der Überlieferung soll Haydn dort des öfteren gearbeitet haben.

DAS ABGEBRANNTE HAUS

Doch die Zeit in seinem Haus verlief nicht immer so idyllisch. Eine zweitägige Brandkatastrophe verwüstete am 2. und 3. August 1768 fast die gesamte Freistadt. Der materielle Schaden an Haydns Haus betrug laut einer Aufstellung in einem Akt des Eisenstädter Stadtarchivs 1.148 Gulden. Der Fürst ließ das Haus auf seine Kosten wieder aufbauen, was dann "lediglich" 378 Gulden ausmachte, von denen Haydn an den Fürsten 50 Gulden rückerstatten musste, da er sich ein zusätzliches neues Zimmer bauen ließ. Den "Verlust an verbrunnen und ruinierten Feldfrüchten, Heu, Stroh, Haus Einrichtungen" musste Haydn vorerst selbst tragen. Dem Feuer fielen aber auch viele Kompositionen, anderes Notenmaterial und Instrumente zum Opfer. Ein Schicksalsschlag also, von dem sich Haydn viele Jahre lang auch finanziell nicht erholen sollte.

Am 17.Juli 1776 brach dann ein zweiter verheerender Brand in der Stadt aus, und wieder war H Haus mitbetroffen. Die Stadtsarchivakten weisen diesmal einen geringeren Schaden aus, 363 Gulden. Da die Wiederherstellungskosten - die wiederum der Fürst übernahm - sich jedoch auf 450 Gulden beliefen, kann man annehmen, dass nochmals das ganze Haus und nicht nur der Dachstuhl abbrannte und die Kostenschätzung durch die Stadt beim ersten Brand einfach zu hoch war. Trotzdem steigerten sich Haydns finanzielle Schwierigkeiten, was sich auch in der Tatsache widerspiegelt, dass er mit seinen Steuer- und Abgabenzahlungen in Rückstand geriet. Der Verlust an Manuskripten wurde diesmal dadurch etwas gemildert, dass Ignaz Pleyel ohne Wissen von Haydn viele Werke kopiert hatte. Ignaz Pleyel wohnte in den Jahren 1772 bis 1777 bei Haydn als Kompositionsschüler. Graf Ladislaus Erdödy zahlte an Haydn dafür ein Jahrgeld von 100 Louisdor.

ES KANN DER FRÖMMSTE (?) NICHT IN FRIEDEN LEBEN...

Mit diesen Bränden in indirektem Zusammenhang stehen auch Prozesse, die Haydn gegen seine Nachbarinnen zu führen hatte. Nach dem Brand im Jahre 1768 ließ Haydn beim Wiederaufbau zur Stütze seines neu aufgerichteten Daches eine Mauer aufstellen, die sein Grundstück von dem seiner Nachbarin, Frau Magdalena Frumwald (Klostergasse Nr.81), trennt. Frau Frumwald fühlte sich dadurch gestört und ließ einen Teil des Daches über der Mauer herunterreißen. Haydn klagte und es kam zu einem Vergleich:

"... zwischen den zwey streitenden Parteiheyen (ist) die Sach dahin verglichen worden, daß 1. die in Höffel befindliche Schied Maur, welche Hr. Capel Meister Anno 1768 nach der Feuersbrunst an statt der Laaden Wand mit eigenen Spesen allein machen lassen, zwischen beeden Häusern zu ewigen zeiten hinführo gemeinschäfftlich seyn, und verbleiben soll ..."(Schmid 11)

Der Frieden hielt aber nur ein paar Jahre, den am 15.April 1773 "... begehret (Haydn) einen Revers, dass seine Frau Nachbarin Magdalena Frummwaldin auf die gemeinschäfftliche Mauer aufgebaut" (Schmid 11f). Wie dieser Streit ausging wissen wir leider nicht.

Durch den Wiederaufbau nach dem zweiten Brand im Jahre 1776 fühlte sich Haydns andere Nachbarin beeinträchtigt. Auch diesmal lag der Grund wieder in einer "nachtheiligen Dachung" und auch hier kennen wir nicht den Ausgang der Streitsache.

EINE FAMILIENANGELEGENHEIT

Wir haben oben gesehen, dass Haydn für den Hauskauf von seinem Schwiegervater Geld geliehen hatte. Wobei er sich verpflichtete, die 500 Gulden binnen eines Jahres zurückzuzahlen. Deswegen wurden wahrscheinlich bisher die 400 Gulden Vorschuss vom Fürsten immer mit dieser Rückzahlung in Zusammenhang gebracht (obwohl G.Feder in ÖMZ 4/70 auch einen anderen Gläubiger vermutet). Neu aufgetauchte Dokumente belegen aber, daß er diesen Vorschuss für einen anderen Gläubiger brauchte:

"habe das Interesse von 15ten Aprill 767 bis 15ten Octuber mit 8 f richtig Empfangen
Joh. Peter Keller m:p:
den 31 October bis 31 768 Jenner empfangene die Interesse mit 5f. Johann Peter Keller
Habe das Interesse bis 31.Januar 770 richtig Empfangen
Johann Peter Keller
Den 29ten Aprill 1771 das Interesse empfangen, und restiren noch a conto dieser Obligaton
142 f 28 Kr.
Joseph Keller m:p:
in Nahmen des Vaters."

Obwohl Haydn das geliehene Geld laut Vertrag bereits 1768 zurückzahlen hätte sollen, hatte er dies bis zum April 1771 noch nicht vollständig getan. Bis zu diesem Zeitpunkt zahlte er aber immerhin noch die Zinsen. Sein Schwiegervater starb kurz darauf am 9. August 1771 - angeblich verarmt - in Wien. Von diesem Zeitpunkt an stellt Haydn sämtliche Rückzahlungen und Zinsenzahlungen für diese Obligation, aus welchen Gründen auch immer, ein. Und erst durch die Klage seiner Schwägerin Aloisia Sommerfeld, über ... f, wird die ganze Angelegenheit wieder aufgerollt.

Durch die erst kürzlich wieder aufgefundene "Klag Libell" und die "schriftliche Protestation und Inhibation" samt den dazugehörigen Beweisstücken fällt ein neues Licht auf diesen Vorgang. Unter den Akten findet sich nämlich auch die Abschrift des Testaments der Frau Maria Elisabeth Keller geborene Sailler, der Schwiegermutter von Joseph Haydn.

"...Die übrigen Ein Hndert fünfzig Gulden endlich, samt denen vorhandenen wenigen Meublen, wie sie immer Nahmen haben, wermacht Fatentin Ihrer jüngsten Tochter Aloysia vereheligten Johann Sommerfeldin, in betracht dessen zwar, daß die übrige sechs Kinder das Ihrige, von der Fatentin ihnen gebührende Erbtheil bereits bekommen haben, Sie Aloysia Sommerfeldin aber Ihr Fatentin die letzte kindliche Treue, und Wartung möglichst erwiesen hat, zu einem wahren Eigenthum in welchem weder ihr Geschwistrigt, noch jemand anderer Sie als Universal-Erbin zu stöhren, oder zu kräncken befugt seyn wird..."

Mit diesem Testament vom 1.Mai 1778 setzt die Witwe Elisabeth Keller also ihre Tochter Aloysia Sommerfeldin als "Universal-Erbin" ein, die sie bis zu ihrem Tode betreut hatte. Bei der Verlassenschaftsabwicklung dürfte dann auch der bewusste Schuldschein in die Hände der Frau Aloysia Sommerfeld gefallen sein, in dem nicht nur ausdrücklich auch die Erben als Berechtigte genannt werden, sondern in dem Haydn auch "all unser Haab und gut" als Sicherstellung einsetzen musste. Dadurch erklärt sich auch, warum Frau Aloysia Kellerin gerichtlich sicherstellen lässt, daß im Falle des Hausverkaufs durch Haydn "der Kauffschilling zu Gerichts Handen ad Sequestrum genohmen werde". Frau Aloysia klagt hier also lediglich ihr Erbe ein. Da der gerichtlich festgesetzte Verhandlungstermin der 25. August 1778 gewesen wäre, zu diesem Termin aber keine Eintragung zu finden ist, dürfte schon vorher ein Vergleich zwischen Haydn und seiner Schwägerin stattgefunden haben.

DAS VERKAUFTE HAUS

Dieser Prozess, die Streitereien mit seinen Nachbarinnen, der zweimalige Brand und Wiederaufbau des Hauses und die Tatsache, dass nach dem vollständigen Umzug des gesamten Hofstaates nach Estoras, Joseph Haydn sein Haus in Eisenstadt nur mehr bei den immer spärlicher werdenden Aufenthalten dort benützen konnte, dürfte ihn schließlich dazu bewogen haben, es zu verkaufen. Der lange verschollene und jetzt wieder aufgetaucht Kaufvertrag wurde am 27. Oktober 1778 geschlossen:

"Heut Endes gesetzten Tag und Jahr ist zwischen den hochedelgebohrenen Anton Liechtscheidl hochfürstlicher Eszterházyscher Buchhalter und seiner Frauen Eheconsortin, ... beede als Käuffern an einen, dann den wohlgeachten Herr Joseph Haiden hochfürstlicher Kapellmeister als Verkäuffer anderen Theils folgend Kauff Contract bis auf ratification eines Wohl Edlen Stadt Magistrats ... geschlossen worden, als

Entlich verkaufft vorbenanter Kapellmeister Joseph Haiden dem vor Titulirten Herrn Buchhalter Anton Liechtscheidl, und dessen Frauen Eheconsortin, seine allhier auf der Klostergassen zwischen Frauen Magdalena Frumwaldin und frauen Theresia Spächin liegende 1 Hofstatt Behausung, samt allen dazugehörigen Haußgründen, ... vor einem verglichenen Kauffschillinggen zwey tausend Gulden und fünfzehn Dugaten Leikauff..."

Die Hälfte der 2.000 Gulden hinterlegte Haydn noch am selben Tag bei der fürstlichen Generalcassa gegen eine jährliche Verzinsung von 5%, die er bis zum Jahre 1808 jährlich in zwei Raten abhob.

Dem fürstlichen Buchhalter Anton Liechtscheidl folgten dann noch mehrere Besitzer, bevor der Burgenländische Heimat- und Naturschutzverein das Haus im Jahre 1937 ankaufte und es als Haydn-Museum einrichtete. Heute gehört es dem Burgenländischen Landesmuseum. Auch befindet sich nun das Haus der Magdalena Frumwald, der streitbaren Nachbarin Haydns, im Burgenländischen Landesbesitz. Eine Erweiterung des Haydn-Museums drängt sich daher nahezu auf.

Es bleibt jetzt nur noch die Frage zu beantworten, wo Haydn während seiner Aufenthalte in Eisenstadt nach 1778 wohnte. Möglicherweise bezog er nun die Kapellmeisterwohnung im Musikerhaus. 1793 erwarb er dann ein Haus in Wien-Gumpendorf. Für seine jährlichen Sommeraufenthalte in Eisenstadt zwischen und nach seinen beiden Londonreisen gibt es verschiedene Vermutungen bezüglich seiner Unterkunft. Nachdem das Augustinerinnenkloster 1789 aufgehoben, umgestaltet, renoviert und als fürstliches Verwaltungsgebäude eingerichtet worden ist, könnte Haydn dort eine Gästewohnung benützt haben. Aber auch das Sengerische Haus (Hauptstraße 38) und das Haus der Witwe Lichtenthal gegenüber dem Rathaus wären mögliche Wohnstätten.

Bis 1803 verbrachte Joseph Haydn regelmäßig den Sommer in Eisenstadt, wofür er auch seine letzten großen Messen komponierte. Ab dann war er "zu alt und zu schwach". Am 31. Mai 1809 stirbt er in Wien als der berühmteste Komponist seiner Zeit. Seine letzte Wohnung hat er aber wieder in Eisenstadt gefunden - in seinem Mausoleum in der Bergkirche.

Wohnhaus

Ansicht von Eisenstadt








Autor: Dr. Walter Reicher